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Canon LEGRIA HF G30 Camcorder im Praxistest

Der G30 Camcorder von Canon spielt ganz oben in der Liga der Videokameras für ambitionierte Filmer. Was leistet er und ist er seinen Preis wert? Ein Camcorder Review.

Canon G30 im Einsatz
Canon G30 im Einsatz

Nachdem Canon im LEGRIA HF G30 Camcorder dank des DIGIC DV 4 Bildprozessors jetzt auch den 50p Modus eingeführt hat, schaffte es auch dieses Modell in meinen Camcorder Vergleichstest.
Zur Erinnerung: Im ersten Teil habe ich bereits den Panasonic X929 getestet.

Haptik und Bedienung

Mit seinen 897 Gramm Gewicht (betriebsbereit) und der Größe gehört der G30 eindeutig zu den Dickschiffen unter den Camcordern. Trotzdem oder gerade wegen der Größe liegt er hervorragend in der Hand. Jede Menge Bedienelemente finden ausreichend Platz und lassen sich zudem gut erreichen.

Einstellräder von unten betrachtet
Einstellräder von unten betrachtet

Ein sattes Gefühl vermittelt der Drehring hinter dem Objektiv. Durch elektronische Entkoppelung lässt sich die Funktionsart per eigenem Schalter von Fokus auf Zoom umstellen. An der Unterkante, hinter dem Objektivring, liegt ein zweites Einstellrad samt zugehörigem Knopf. Beste Belegung für diese Kombination ist die manuelle Steuerung von Blende, Zeit und Gain. Leider geht das in der Praxis durch den versenkt liegenden Knopf nicht ganz so ergonomisch.

Belegbare Tasten neben dem Display
Belegbare Tasten neben dem Display

Insgesamt kann so gut wie alles individuell angepasst werden. Um aus dem fabrikneuen G30 seinen eigenen Camcorder zu machen, stehen 5 Tasten bereit, um mit individuellen Funktionen belegt zu werden. Einfach ein Bedienkonzept, wie ich es auch von gehobenen Fotokameras gewohnt bin.

Objektiv und Bildqualität

Optisches Zoomobjektiv
Optisches Zoomobjektiv

Das 20-fach Zoom Objektiv glänzt mit 26,8 mm Anfangsbrennweite bei einer Blendenöffnung von f/1.8 und geht bis 576 mm bei Blende f/2.8. Hinter der Canon eigenen Objektivkonstruktion sitzt ein 1/2,84 Zoll großer HD CMOS PRO Sensor. Für System(Foto)Kameras ist das ein kleiner Sensor, im Camcorderbereich aber schon ordentlich groß.

Die Sensorgröße kommt neben der Freistellmöglichkeit auch der Bildqualität, speziell bei wenig Licht, zugute. Hier liefert der G30 tolles Bildmaterial ab. Bei ausreichend Licht sind die Aufnahmen detailreich, scharf und über jeden Zweifel erhaben. Auch wenn es dunkler ist, sind die Filme noch sehr gut zu verwenden. Insgesamt passt die Bildqualität zur Geräteklasse.

Ausstattung und Funktionen

Das 3,5 Zoll-Touchdisplay löst 1,2 Mio. Pixel auf und zeigt Vorschaubild und Menü gestochen scharf an. Auch der ausziehbare und hochklappbare Sucher ist dank Gummi Augenmuschel angenehm zu nutzen.

Zwei Slots für SD Karten
Zwei Slots für SD Karten

Im Audio Bereich sind selbstverständlich Mikrofon- und Kopfhöreranschluss per 3,5 mm Klinke möglich. Manuelle Aussteuerung ist nur mit einem externen Mikrofon möglich. Mit dem internen Mikrofon wird Stereo Ton (AC-3) aufgenommen, mit einem externen Mikro ist auch 5.1-Surround-Sound möglich.

Typisch für Profi Geräte: zwei SD-Karten-Slots. Entweder für durchgehende Langzeitaufnahmen oder für eine gleichzeitige Backup Aufzeichnung. Auch eine gleichzeitige Aufnahme im AVCHD- und MP4 Format ist möglich.

GP-E2 mit USB-Kabel (hier an 5D-III)
GP-E2 mit USB-Kabel (hier an 5D-III)

Um die Videofilme mit dem Ort der Aufnahme anzureichern (Geotagging) besteht die Möglichkeit, den Canon GP-E2 GPS Empfänger (→ Praxistest) anzuschließen. Der Zubehörschuh ist allerdings nicht für den direkten Anschluss vorbereitet. Der GPS-Empfänger muss deshalb mit dem USB-Verbindungskabel angeschlossen werden.

Wi-Fi Menü
Wi-Fi Menü

Wireless LAN ist auch eingebaut. Steuerung per Browser, Vorschau der Filme und Übertragung auf einen FTP-Server gehören zum Funktionsumfang. Genauer betrachte ich die WLAN-Funktionen später in einem eigenen Artikel.

Der Canon G30 Camcorder in der Praxis

Canon G30 Menü
Canon G30 Menü

Nach kurzer Eingewöhnung – ein Nikon Fotograf muss sich erst mit einem Canon Menü anfreunden 😉 – klappt das Videografieren sehr gut.

Bedienung über 5-Wege Steuerkreuz
Bedienung über 5-Wege Steuerkreuz

Zudem hat der Camcorder schon ein paar total coole Features, die einem die kreative Arbeit erleichtern. Beispiel gefällig?
Die automatische Fokus Fahrt
Fokus auf MF stellen, zweites Objekt per Touch-AF scharfstellen lassen und Schärfeebene speichern. Jetzt per Hand das erste Objekt scharf stellen. Aufnahme starten, ein Tipp auf das Display und der Fokus wechselt (mit einstellbarer Geschwindigkeit) schön gleichmäßig auf Objekt Zwei.

Okay, das geht auch per Hand über den Fokus-Objektivring. Aber wer hat schon so ein feines Händchen um das perfekt gleichmäßig und punktgenau hinzubekommen?

Der mitgelieferte Akku (BP-820) ist mit 1.700 mAh nicht besonders groß dimensioniert. Knapp zwei Stunden, dann muss die Kamera wieder ans Ladegerät. Auch bei dieser hochwertigen Kamera liegt keine Ladeschale bei. Ein zweiter Akku mit größerer Kapazität (BP-828 mit 2.700 mAh) ist Pflicht. Oder man setzt gleich auf eine günstige Kombination aus Akku und externer Ladeschale.

Persönliches Fazit

Canon LEGRIA HF G30
Canon LEGRIA HF G30

Die Bildqualität ist – auch dank des klasse Objektivs – wie in dieser (Preis-)Klasse zu erwarten sehr gut. Durch den für Camcorder relativ großen Sensor gelingen auch gute Aufnahmen bei wenig Licht.

Deutlicher als bei der Bildqualität hebt sich der Semi-Pro Camcorder bei Ausstattung und Bedienung von anderen Videokameras ab. Die manuellen Einstellungen und Möglichkeiten zum Eingreifen sind riesig. Wer Wert darauf legt, möglichst viel selbst in die Hand zu nehmen, bekommt mit dem Canon G30 den perfekten Camcorder. Der Preis ist für das Gebotene noch akzeptabel.

Das gefällt mir gut:
  • Top Objektiv
  • Gute Bildqualität
  • Sehr gute manuelle Einstellungen
  • WLAN Ausstattung
Das gefällt mir nicht so gut:
  • hoher Preis
  • Automatischer Weißabgleich etwas zu kühl

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Kommentare
Gerhard Blaser
Antworten

Suche Fachbuch für Canon Legria HFG 30 Bitte um Hilfe

lg Gerhard Blaser

TheDiveO
Antworten

Zugegeben gehöre ich nicht zur typischen Anwendergruppe von Videokameras: ich filme unter Wasser, zudem habe ich meine Leidenschaft für heimische Gewässer entdeckt. Und das führt zu einem zentralen Problem: dem Weißabgleich. Der übliche automatische Weißabgleich versagt hier grundsätzlich, also ist der manueller Eingriff unter Wasser erforderlich.

Damit wird die Auswahl arg dünn. Will man es wirklich einfach, dann ist da die qualitativ erstaunlich gute HD Hero 3 Black Edition, die aber gerne ihre Videodateien zerstört. Dafür ist Protune mit abgeschaltetem Weißabgleich ein Segen, wären da nicht die ständigen Probleme mit den Speicherkarten.

Viele der größeren Videokameras bieten entweder überhaupt keinen manuellen Weißabgleich, oder er ist unter Wasser nicht mehr erreichbar … zum Beispiel, weil die Funktion nur über ein Touchdisplay aufrufbar ist. Aber ohne manuellen Weißabgleich geht es nicht, das habe ich in meinen drei Jahren gelernt und gesehen, in denen ich unter Wasser filme.

Da außerdem noch ein geeignetes Unterwasser-Gehäuse für die Kamera nötig ist, scheiden etliche Videokameras zusätzlich aus. Es gibt zwar Universalgehäuse hoher Qualität, die aber dann daran scheitern, dass die integrierte Fernbedienung eben keinen Zugriff auf den Weißabgleich erlaubt.

Ja, das ist ein recht spezielles Problem. Aber immerhin bietet mir die Canon HF G30 das, was ich unter Wasser brauche. Die sehr interessanten Panasonic und Sony Videokameras leider nicht.

Insofern stimme ich dem Tenor des Blogartikels zu: die G30 ist für diejenigen Filmer interessant, die an mehreren Stellen in die Automatiken eingreifen müssen. Zusammen mit der sehr guten Optik liegen hier die Stärken der G30. Allerdings ist sie recht teuer … und da viele Anwender diese feinen Eingriffsmöglichkeiten gar nicht benötigen, dürfte die G30 nur wenige Kunden finden, denn die Wünsche lassen sich mit anderen Produkten für weniger Geld auch erfüllen.

Ich habe meine Entscheidung für die G30 jedoch nicht bereut, da sie mir die Eingriffsmöglichkeiten bietet, die ich brauche. Damit kann ich auch mit der nicht besten Sensorqualität in der Klasse leben, denn der Sensor ist immer noch prima und die Optik macht vieles wett.

Marsa alam Diver
Antworten

Hallo TheDiveO
Danke für deinen Beitrag.
Ich Fotografiere seit 6 Jahren Unterwasser und möchte nun umsteigen auf Unterwasser Filmen.
Nun hätte ich noch eine Frage, welches Unterwasser Gehäuse, würdest du empfehlen. Oder gibt es ein Unterwassergehäuse von Canon?

Ich habe leider nichts gefunden.

Ich danke dir

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